Posted by: Christopher | 15.April 2008

Homosexualität

Es ist von der Bedürfnislage nun eigentlich nicht mein Thema und doch verfolge ich interessiert die Diskussion in Kirche und Gesellschaft dazu. Und je länger die Diskussion geht, je deutlicher werden die Ungereimtheiten auf Seiten der verschiedenen Gesprächspartner, oder besser: Kontrahenten.

Wirklich schmerzlich empfinde ich, was man sich gegenseitig vorwirft, selbst aber praktiziert. Nämlich eine unfaire Streitkultur und den Hang zu ”totalitäre Tendenzen”.

Ich glaube, dass es ein Fehler ist, eine kontroverse Diskussion im Bewusstsein führen zu wollen, man selber stehe allein auf der Seite der Wahrheit. Ich glaube auch, dass es ein Fehler ist, nur die Argumente zuzulassen, die die eigene Meinung stützen und sich dem Rest der facettenreichen Wahrheit zu verweigern. Ich glaube schließlich, dass ich ein scheußlicher Gesprächspartner bin, wenn ich nicht das Bedürfnis in mir trage, mein Gegenüber wirklich verstehen zu wollen (Das ich oft genug in Diskussionen verwickelt bin, wo dies nicht zutrifft, bedauere ich zutiefst).

Nun denn, zum Thema: Was halte ich denn für wahr? Für mich ist unaufgebbar wichtig, dass jeder Mensch das Recht hat, nach Erfüllung und Sinn zu suchen. Dass er dabei eine Vielzahl von Wegen einschlagen kann, die nicht zwingend alle zum Ziel führen, ist eine erfahrungsgemäße Einschränkung, die nicht themenspezifisch ist. Dass ich entscheiden darf/sollte/muss/…, was für andere gut und richtig ist, ist allerdings ein dramatischer Irrglaube.

Ich bin ein glücklich heterosexuell orientierter Mensch, der seit 12 Jahren monogam lebt und die eigenen Kinder für ein wertvolles und zauberhaftes Geschenk hält. Darum kann ich dafür werben, dass es sich lohnt, sich Zeit für Partner und Familie zu nehmen. Aber ich halte es für vermessen, andere Lebensentwürfe deswegen zu verurteilen. Vielmehr kann es doch spannend sein, völlig anders empfindende Menschen kennen und verstehen zu lernen.

 

Antworten

mmmhhh, warum kommt mir das Thema so bekannt vor? :-p
Ich würde gerne hinzufügen, dass ich es als ignorant empfinde, etwas abzulehnen, mit dem man (a) noch nie in Berührung gekommen ist und (b) von dem man nur sehr begrenztes, wenn überhaupt einseitiges, Wissen hat!

@BenjaminG: In der Tat hat dein Post einen Anstoß gegeben, letztlich ließ mich der Link in einem Kommentar eines Idea-Artikels aber in die Tasten greifen.

http://www.idea.de/index.php?id=355&tx_ttnewstt_news=63667&tx_ttnewsbackPid=18&cHash=c8f8a94ac1

Ich bin schockiert!
Nach 15 Minuten auf dem genannten Link konnte ich nicht mehr hinsehen. Mir wird soeben - stärker als jemals zuvor - bewusst, wie horizonterweiternd mein Ausflug in die Internationale Welt ist und wie Recht meine Management Bücher haben, dass Interkulturelle, unvoreingenommene Skills nicht ausreichend in unserer Gesellschaft vorhanden sind (Ich fand das vorher immer sinnlos zu betonen, dass man sich respektieren sollte).
Ich bin grad mal mittelmäßig bis stark erregt. Hallo? Wie kann man dort Gesagtes tatsächlich schreiben? Und das auch noch unter dem Deckmantel der Christenheit!?!? Ein besonders nettes Beispiel: Die Aussage, dass Deutschland ja schon fortschrittlich sei, denn auf dem Christiwell werden Kurse zur Gehirnwäsche von Homosexuellen schließlich angeboten und im Iran würden die Leute umgebracht. Wow! In was für einem tollen Land leben wir eigentlich!! Warum regt sich irgeneiner überhaupt über die Unterdrückung Tibets von China auf? Schließlich werden in anderen Regionen der Welt andere Völkergruppen einfach umgebracht. Wir sollten China unterstützen. Mal ganz ehrlich: Das kann ein gebildeter Mensch doch nicht ernst meinen, oder?

Ich würde sagen Alt-Präsident Herzog gibt uns da einen Hinweis: Es gibt ein “Grundrecht auf Dummheit”. Das ist äußerst schwer verdaulich, aber auch nicht verhandelbar.

Übrigens: Hast du die Kommentare gelesen oder auch das PDF des Christival-Seminar-Clons aus der Schweiz?

Hatte ich nicht, jetzt aber schon. Daraus ist das dringende Anliegen gewachsen, einer besagten Frau Dr. Vonholdt eine Gegendarstellung zu schreiben. Dieses werde ich voraussichtlich nach meinen Prüfungen tun (halte Dich auf dem Laufenden). Darüber hinaus werde ich mit einem Kommilitonen wohl auch ein Paper in ‘Academic Writing’ diesem Thema witmen, mal sehen. Alles in allem, muss ich sagen, dass ich mich zutiefst schäme. Vor meinen hetero genauso wie vor meinen homo Freunden. Kein Wunder, dass kaum noch Jugendliche und vor allem junge, gebildete Erwachsene in Gemeinden zu Hause sind wenn diese voll mit Ignoranz und unmoralischem Verhalten sind. Hochstapler könnte man o.g. Doktorin - wenn nicht sogar Lügnerin - nennen. Dass man ein solches Thema so einseitig und dann auch noch akademisch versucht rüber zu bringen - da fehken mir die Worte. Aber dazu mehr in meiner Gegendarstellung.

Auszug aus der Beschreibung des Auswärtigen Amtes über das Land Syrien: “Gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen sind in Syrien verboten und mit Gefängnisstrafe bedroht. Auch wenn bisher kein Fall bekannt ist, bei dem ein Europäer auf Grund dieser Vorschrift strafrechtlich verfolgt wurde, ist ein entsprechend diskretes Verhalten dringend anzuraten.”

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