Es ist von der Bedürfnislage nun eigentlich nicht mein Thema und doch verfolge ich interessiert die Diskussion in Kirche und Gesellschaft dazu. Und je länger die Diskussion geht, je deutlicher werden die Ungereimtheiten auf Seiten der verschiedenen Gesprächspartner, oder besser: Kontrahenten.
Wirklich schmerzlich empfinde ich, was man sich gegenseitig vorwirft, selbst aber praktiziert. Nämlich eine unfaire Streitkultur und den Hang zu ”totalitäre Tendenzen”.
Ich glaube, dass es ein Fehler ist, eine kontroverse Diskussion im Bewusstsein führen zu wollen, man selber stehe allein auf der Seite der Wahrheit. Ich glaube auch, dass es ein Fehler ist, nur die Argumente zuzulassen, die die eigene Meinung stützen und sich dem Rest der facettenreichen Wahrheit zu verweigern. Ich glaube schließlich, dass ich ein scheußlicher Gesprächspartner bin, wenn ich nicht das Bedürfnis in mir trage, mein Gegenüber wirklich verstehen zu wollen (Das ich oft genug in Diskussionen verwickelt bin, wo dies nicht zutrifft, bedauere ich zutiefst).
Nun denn, zum Thema: Was halte ich denn für wahr? Für mich ist unaufgebbar wichtig, dass jeder Mensch das Recht hat, nach Erfüllung und Sinn zu suchen. Dass er dabei eine Vielzahl von Wegen einschlagen kann, die nicht zwingend alle zum Ziel führen, ist eine erfahrungsgemäße Einschränkung, die nicht themenspezifisch ist. Dass ich entscheiden darf/sollte/muss/…, was für andere gut und richtig ist, ist allerdings ein dramatischer Irrglaube.
Ich bin ein glücklich heterosexuell orientierter Mensch, der seit 12 Jahren monogam lebt und die eigenen Kinder für ein wertvolles und zauberhaftes Geschenk hält. Darum kann ich dafür werben, dass es sich lohnt, sich Zeit für Partner und Familie zu nehmen. Aber ich halte es für vermessen, andere Lebensentwürfe deswegen zu verurteilen. Vielmehr kann es doch spannend sein, völlig anders empfindende Menschen kennen und verstehen zu lernen.
Veröffentlicht in Ethik, Gesellschaft | Schlagworte: Fairness, Homosexualität, Vorurteile, Wahrheit, Werte