Posted by: Christopher on: 4. Mai 2008
Ok, es ist ungewohnt. Traditionell protestieren die Protestanten. Und nicht andere gegen die sie. Aber im Kern sind die Geschehnisse rund um das Christival in Bremen doch ein wahrer Glücksfall. Nicht, dass ich Gewalttätigkeit legetimieren will oder das Verhalten der vermummten Protestierer gutheiße. Aber dass sich Menschen im größeren Stil aufmachen und zum einen ihren Fragen an die christliche Kulturprägung auszudrücken (friedliche Infragesteller) oder aber emotional aufgeladen auf die Barrikaden gehen, weil sie sich nicht ernstgenommen fühlen, dass sind doch letztlich hochwillkommene hygienische Prozesse.
Denn es gibt mindestens drei positive Aspekte:
(1) Christen werden in Zukunft sehr genau überlegen, welche Themen sie sich auf die Fahnen schreiben. Das, was tief in unseren Werten verwurzelt ist, wird auch künftig seinen öffentlichen Ausdruck finden. Aber manches denkerische Relikt, dass wir einfach nur traditionell mit uns herumschleppen, wird sich erledigen. Gut so!
(2) Dass wir in einem Land leben, in dem jeder das Recht auf eine eigene Meinung hat, ist ja letztlich eine Errungenschaft der christlich-abendländischen Kultur. Dass es auf dem Trapez der Meinungsfreiheit bisweilen zu extremistischen Übergriffen kommt, ist bedauerlich und wird hoffentlich angemessen sanktioniert, aber es ist ein prinzipiell positves Signal, wenn sich Menschen mit anderen Meinungen zu Wort melden.
(3) Auch wenn der Protest gegen das Christival es noch nicht in die großen öffentlich-rechtlichen Nachrichten gebracht hat, so kann man doch davon ausgehen, dass er die öffentliche Wahrnehmung dieses Ereignisses intensiviert hat. Und das Zeugnis dass die über 15000 jetzt schon in der Stadt hinterlassen haben, ist ja auffallend positiv. Dass es immer Gruppen gibt, denen Harmonie und Nächstenliebe suspekt sind, ist nicht neu.
Bleiben zwei Wünsche, deren Erfüllung sicher nur mit freiwillig selektivem Medienkonsum möglich wird:
Zum einen sollte der erlebte Protest nicht die christliche Berichterstattung nach dem Christival dominieren, sondern die wirklichen Inhalte des Treffens. Denn “Christus bewegt” und nicht Ideas Verschwörungstheorien.
Zum anderen sollten wir Christen die Einladung annehmen, stärker als zuvor mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen. So kann aus der Krise eines umstrittenen Seminars eine kommunikative Chance werden…
Also ich war die Tage in Bremen dabei. Zwar habe ich die Demos nicht direkt mitbekommen (da ich zu diesen Zeiten in meinem “Arbeitsbereich” mitarbeiten mußte), jedoch sind meine Infos so, dass die eigentlichen Demonstranten zwar (zugegebenermaßen) etwas nervig und laut, aber im großen und ganzen friedlich waren.
Anders plötzlich auftretende Autonome, die nur auf Krawall aus waren. Die wären wohl auch aufgetreten, wenn ein paar “extreme Lobpreisgegner” mit Chorälen gegen die Musikauswahl beim Christival demonstriert hätten…
Das es sich bei der Masse der Christivaller um “Fundamentalisten” (im negativen) handelt, würde ich nicht unterstellen unda uch nicht unterschreiben. Viel eher um ganz unterschiedliche Freunde Jesu’ die gut gelaunt Ihren Herrn anbeten und (manchmal auch sich selbst) feiern wollten – und mit sicher sehr unterschiedlichen Lebenseinstellungen durch die Welt ziehen.
Fundamentalist also nur insofern, wen man sagt, dass sie ein tragsfestest Fundament für ihr Leben haben (Ihren Glauben an Jesus) – ein bißchen Fundamentalismus würde m.E. aus dieser Sicht den meisten Deutschen wenig schaden.
Ich hoffe bloß, dass dieses Fundament noch einen “hellen Schatten” auf die Zeit nach dem Christival wirft… Aber Fundament und Schatten werfen ist fast so paradox wie heller Schatten und überhaupt viele weitere Fragen des christlichen Glaubens…
[...] Christopher freut sich über die Proteste, denn Jesus bewegt [...]
@Christopher: Na, ich meine nur, dass der Begriff “Fundamentalist” in unserem Sprachgebrauch ganz klar negativ besetzt, obwohl er m.E. eigentlich nichts negatives beinhaltet (sogar eher etwas postives)…
Und die Proteste fand ich auch nicht schlimm (vielleicht nervend, aber nicht schlimm), solange sie friedlich verlaufen; bestimmt besser als Ignoranz. Denn für gewalttätige Meinungsäußerungen gibt es unter den gegebenen, Rahmenbedingungen keine Rechtfertigung und macht die eigene Position nur unglaubwürdig!
Abschließend zum Thema Ignoranz: Wie es Dein nächster Eintrag ja auch zeigt – Ignorant sind offenbar vor allem die bundesweiten Medien… da hätte ich mir ein bißchen mehr gewünscht!
4. Mai 2008 um 11:15
Andererseits kann es auch genau anders herum kommen. So war es jedenfalls bisher: Bei Widerstand einigeln. Die böse Welt, Anfechtungen usw.
Das Problem von Fundamentalisten: Sie besitzen die Wahrheit, wieso sollten sie also mit Andersdenkenden in einen offenen Dialog eintreten?