Posted by: Christopher | 6.Mai 2008

Countdown bis Pfingsten - Ekklesiologie als Blogeintrag?

Schon Dienstag! Die gewissenhaften und planvollen Pastorenkollegen haben ihr Predigtpensum für das kommende Wochenende bereits fertiggestellt und im Internet veröffentlicht. Der eine oder andere ärgert sich über den Perikopentext aus Römer 8, andere sind froh, dass sie Pfingstmontag frei haben und nicht (schon) wieder über Apostelgeschichte 2 etwas Neues zaubern müssen.

Geburtstag der Gemeinde, so wird Pfingsten etwas vereinfachend oft bezeichnet (bisweilen auch von mir). Aber was ist es, was wir da “feiern” oder “absitzen” oder “thematisieren”?

Was macht denn die Gemeinde eigentlich aus? Spätestens hier wird jedem ernsthaften Theologen bewusst, dass es wohl etwas naiv ist, die Frage in einem Blogeintrag klären zu wollen, schließlich kann man ja schon über Teilaspekte dieser Frage ganze Bücher schreiben. Liebe Ekklesiologen, verzeiht!

Aber es drängt sich ja manchmal der Eindruck auf, dass weil das Thema theologisch so gründlich bearbeitet wurde, alles erlaubt ist und jeder Vorstoß irgendwie begründbar wird. Nur bleibt ein schaler Eindruck, wenn man sich die praktizierten neuzeitlich-ekklesiologischen Umsetzungen dann mal betrachtet:

Kirche ist, wenn es groß ist - oder: Ekklesiologie by Größenwahn

Kirche ist, wenn es innovativ ist - oder: Ekklesiologie by initiativem Narzismus

Kirche ist, wenn alles bleibt wie es ist - Ekklesiologie by Mumifizierung 

Kirche ist, wenn man dagegen ist - Ekklesiologie by Feindbild

Kirche ist, wenn alles unter Kontrolle ist - Ekklesiologie by pastoraler Neurotik

[P.S. Ergänzungen und Detailbeschreibungen willkommen, Artikel kann ergänzt werden...]

Und dann sitze ich da und staune über den Alltag. Da, wo ich mir meine wahren Motiven mehr schlecht als recht verschleiere und natürlich nur das Beste für die Gemeinde und das Reich Gottes will, indem ich meine Gedanken für die Sonntagspredigt sortiere, da überrascht mich das Wirken Gottes im gänzlich Unerwarteten. Da gelingt ein Projekt über alles Bitten und Verstehen hinaus, da entstehen Brücken zwischen vermeintlich isolierten Ideen, Beiträgen oder Positionen, da packt Leute eine Leidenschaft, die anders gespeist ist als aus Machbarkeitswahn, Geltungsbedürfnis oder Erfolgsgeilheit.

Vielleicht ist es ja das kleine Geheimnis von Pfingsten. Dass damals in Jerusalem nicht inszeniert wurde, sondern sich einfach etwas ereignet hat. Weil Gottes Geist gewirkt hat.

Gut, dass wir die Wahrheitsfrage der Konzepte nicht klären müssen. Einfach überraschen lassen und die Antennen auf Empfang stellen. 

Antworten

Vielleicht ist es ja auch ganz einfach: Kirche ist, wenn 2 oder 3 in Jesu Namen zusammen sind…

Einen Kommentar hinterlassen

Your response:

Kategorien