Posted by: Christopher on: 8. August 2008
In meinem letzten Beitrag habe ich mich ja dazu ausgelassen, dass ich neuen Vokabeln mißtraue und dass ich manchmal den Eindruck habe, dass neue Bezeichnungen, speziell einschlägige Adjektive, mehr Selbstzweck als Notwendigkeit sind.
Heute nun ein gegenteiliges Ansinnen. Ich glaube mehr denn je, dass wir Christen dringend neue Vokabeln bzw. Übersetzungen für die Kernbotschaft des Evangeliums finden müssen. Nicht ohne Grund!
Was war passiert? Jemand sprach mich nach einer Veranstaltung an, in der ich den Sachverhalt der Sünde versucht hatte, mit aktuellen Beispielen und Bildern zu umschreiben. Und dabei ziemlich vehement gegen das ungefragte Einreden eines schlechten Gewissens plädierte. Zunächst dachte ich, ich hätte vielleicht ein Register zu viel gezogen. Das Gegeenteil war der Fall. Die Person berichtete mir von einer sterbenskranken Freundin, um die sie sich sorgt und die sie begeleitet, aber die sie trotz einer Offenheit für ein Gespräch über Gott und Leben nicht erreicht. Weil ihre “Vokabeln” [mein Ausdruck] ihre Freundin nicht erreichen oder die falschen Assoziationen auslösen. Die Frage war also, ob ich bereit wäre, mal mit besagter Freundin zu reden.
Ich bilde mir darauf nichts ein, frage mich nur aufrichtig erschrocken, wo wir gelandet sind, wenn unsere geistliche Lebensäußerung auf dem Kanal der Worte unsere Mitmenschen nicht mehr erreicht. In diesem Zusammenhang glaube ich nicht an einige wenige professionelle Übersetzer, sondern an einen Bildungsauftrag, die Menschen wieder sprachfähig zu machen. Denn was sind meine paar geistlichen Erlebnisse im Vergleich zur gesammelten Lebens- und Glaubenserfahrung meiner “Geschwister”, also der mir persönlich verbundenen Mitchristen?
das smiley sollte eigentlich nur eine geschl. klammer sein
@Nils: ja, die Antwort macht Sinn. Vor allem bei Christen, die schon seit ihrer Kindheit das christliche Vokabular eingeimpft bekomme haben und es nicht in ihre Lebenswelt übersetzen können…
8. August 2008 um 4:59
good point! ein gedanke dazu:
ich erlebe, dass die angst davor (und unfähigkeit dazu) “seinen glauben zu bezeugen” darin begründet liegt, dass “glaube” oder “christsein” nicht mehr in ihre tieferliegenden und sinngebenden bedeutungen (nachfolge, liebe, vertrauen, hoffnung) heruntergebrochen werden und dass stattdessen mit diffusen (irrationalen,eigentlich nichtlebbbaren,…) vorstellungen vom christsein gelebt wird (bzw. dass diese hingenommen werden).
*hmm … macht dieser kommentar sinn?