Erfahrungen mit dem Nokia Lumia 800 (2/2)
Im zweiten Teil der subjektiven Eindrücke zu den Innereien des Lumia 800.
Auf Nokia entfällt dabei freilich nicht allzu viel. Ich will gerne festhalten, dass der verbaute Einkernprozessor mit 1,4 Ghz Taktfrequenz in allen Funktionen für flüssigen Vortrieb ohne Irritationen durch Wartezeiten oder Ruckeln taugt. Auf dem aktuellen Stand des Betriebssystems entsteht daher keine Sehnsucht nach einem Mehrkernprozessor. Mal sehen, nach wieviel Monaten das wachsende Potential der Software diesen Effekt umkehrt.
Zur Kamera des Lumia 800 wurde schon Monate vor der Markteinführung Spöttisches geäußert. Vielleicht war das gut so, denn im vorliegenden Gerät stellt sich aus meiner Sicht die Kamera als sehr ordentlich dar. Der Autofokus arbeitet vielleicht nicht auf Formel-1-Niveau, aber recht flink und meist ausgesprochen präzise. Im Vergleich zu dem, was ich vom HTC HD2 gewohnt war (egal unter welchem OS) ist das eine deutlich höhere Liga. Bis die (besseren) Kompaktkameras ihre Existenzberechtigung verlieren, weil Smartphones auch mit optischem Zoom an den Start gehen, wird wohl noch ein paar Monate Jahre dauern. Die in der Tat nicht beeindruckende Performance bei schlechten Lichtverhältnissen lässt indes auf das ab KW 3 ausrollende Update hoffen.
Windows Phone 7.5 als OS präsentiert sich auf dem Lumia weitgehend in (zumindest mir) bekannter Weise. Wenn man das aktuelle Windowsphone mit der Windowsmobile-Ära vergleicht, so fällt (neben dem grundlegend anderen UI) wohl am Meisten auf, dass man früher an Hunderttausend Einstellungen herumfeilen konnte, die man heute überhaupt gar nicht vermisst. Die beim Übergang befürchteten Einschränkungen entpuppen sich im Vollzug weitgehend als Phantome. Meine Zufriedenheit ist daher spätestens mit dem Mango-Release deutlich gewachsen. War man einst genötigt, Individualität durch wechselnde Designs und immer neue Button-Gliederungen zu erreichen (Regale tauschen, Inhalt bleibt gleich) , bleiben heute zwar Kacheln Kacheln, aber durch ihre Live-Tile Funktionen, die intelligenten Gruppiermöglichkeiten ist Leben auf dem Bildschirm eingezogen (Das gleichbleibende Ablagesystem passt sich dynamisch wechselnden Inhalten an).
Mal ein Beispiel: Ich arbeite häufig in Projekten und entsprechend wechselnden Kontaktgruppen. Für die notwendigen Absprachen telefoniere ich, schreibe Mails und zunehmend ergibt sich auch Kommunikation über soziale Netzwerke.
Das ist nun nichts Ungewöhnliches, schließlich sind alle notwendigen Daten dafür ja im Adressbuch enthalten. Einzig, dass meine gegenwärtig knapp 1000 Kontakte das Adressbuch etwas unübersichtlich werden lassen. Eine Kontaktaufnahme via Facebook brauchte in vergangenen Tagen eine eigenständige App.
Im Adressbuch-Nachfolger ”People-Hub” (der Begriff taucht in der Realität gar nicht auf) sind nun nicht nur soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Linkedin sowie die Adressbücher aus den u.U. verschiedenen Mail-Accounts integriert und kombiniert, sondern es lassen sich auch Personengruppen definieren, die am Beginn des “Adressbuches” gezeigt werden, aber auch als Live-Tile auf dem Startbildschirm gezeigt werden können. So kann ich die Ansprechpartner meiner Projekt zusammenfassen und auf dem Startscreen ablegen und sehe Neuigkeiten (Statusmeldungen, Anrufe, Mails, SMS, Instant-Nachrichten) projektbezogen auf einen Blick. Das ist so nett, dass ich inzwischen das Desktop-Outlook für ein sperriges Relikt halte und auf Windows 8 hoffe
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Dass in ähnlicher Weise Skydrive-Daten und Freigaben aus der Cloud eingebunden sind lässt ahnen, dass hier die Entwickler wirklich nachgedacht vorgedacht haben.
[...villeicht braucht es doch einen Teil 3...]
Ein echtes Ärgerniss will ich aber nicht verhehlen. Die Bildschirmtastatur ist grundsätzlich präzise und im Handling OK, allerdings ist das Fehlen von Cursortasten ein wirkliches Manko. Hätte ich nämlich “Cursortaste” versehentlich als “Körsortaste” geschrieben, hätte es keine Möglichkeit der Korrektur gegeben (es sei denn das Wörterbuch hätte einen Vorschlag) ohne das ganze Wort neu zu schreiben. Das ist wirklich blöd.
Und dann ist da noch das Smartphone-Universal-Problem: Auch, wenn es eine beträchtliche Range an Laufzeiten gibt, sie sind allesamt beschämend kurz. Ich hasse es, wenn ich bei einem abendlichen Telefongespräch um das Durchhalten des Akkus bangen muss, nur weil ich auch tagsüber schon “gearbeitet” habe.